Chemikalienunfall

Datum: 10. Juni 1999 um 0:00


Einsatzbericht:

Feuerwehreinsatz in alter Kühlhalle – Keine Gefahr für die Bevölkerung

Euskirchen – Palmersheim – Ein Chemieunfall auf dem Gelände der Firma Rheinkrone am Rodderbach in Palmersheim hielt gestern Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte in Atem. Am Vortag waren alte Kühlanlagen in einer ehemaligen Kühlhalle für Schlachtgeflügel demontiert worden. In der Nacht liefen dann unbekannte Mengen Ammoniak aus und stellten zunächst eine Bedrohung für vier Arbeiter auf dem Gelände und der Bevölkerung der Umgebung dar.

Kurz nach zehn Uhr hatte gestern ein Arbeiter den stechenden Ammoniakgeruch wahrgenommen und daraufhin den Eigentümer Manfred Battefeld informiert, der sofort die Feuerwehr alarmierte. Der Löschzug Zentrum aus Euskirchen und der Löschzug III mit Wehren aus Palmersheim, Flamersheim, Niederkastenholz, und Kirchheim rückten sofort zum Unglücksort aus. Dazu wurden der Einsatzleitwagen und die Gerätewagen Messtechnik und Gefahrgut nach Palmersheim beordert. Die Polizei sperrte das Gelände weiträumig ab. Rettungswagen standen bereit um notfalls Verletzte aufnehmen zu können.

Die vier Arbeiter, die in einer Schlosserei und einer Schreinerei auf dem Gelände beschäftigt sind, hatten bereits unverletzt den Unglücksort verlassen. Kreisbrandmeister Willi Fuchs erklärte am Unglücksort: „Ammoniak ist ein äußerst giftiges Gas. Es reizt die Haut, Augen und Atemwege, kann im schlimmsten zu Kehlkopfkrämpfen und damit zum Erstickungstod führen.“ Stadtbrandmeister Peter Pesch fügte hinzu: „Das Gas ist schwerer als Luft und stellt deshalb, wenn es durch den Wind weggetrieben wird, eine besondere Gefahr für die umliegende Bevölkerung dar.“

Als erste näherten sich zwei Feuerwehrleute in Chemikalienschutzanzügen dem Unglücksort. Zunächst sollten sie feststellen, ob sich in der Halle ein explosives Gasgemisch gebildet hatte. Als dies ausgeschlossen werden konnte, suchten sie die Austrittsöffnung des Ammoniaks, die sich an der untersten Stelle eines Rohrleitungssystems befand. Auf dem Betonboden der Halle hatte sich bereits eine eineinhalb Meter große Lache gebildet. Messungen in der Halle ergaben eine hohe Konzentration von Ammoniak in der Luft. Außerhalb der Halle wurden keine bedenklichen Werte gemessen.

Weil zu wenig Feuerwehrmänner mit einer Gefahrstoff – Ausbildung am Einsatzort waren wurde die Löschgruppe Iversheim nachalarmiert. Fuchs: „Der höchste Wert lag noch unter der an den Arbeitsplätzen höchstzulässigen Konzentration unter 50 ppm.“ Die Abkürzung steht für „parts per million“ – Teilchen pro Million. Die Wehrleitung setzte sich gestern vor Ort mit dem Staatlichen Umweltamt in Aachen in Verbindung. Fachleute der Behörde müssen klären, wie noch vorhandene Restmengen des Ammoniaks entsorgt werden sollen. Erst wenn sämtliches Ammoniak aus den Rohrleitungen entsorgt ist dürfen auch die benachbarten Werkstätten wieder betreten werden.